Ratgeber · Stand 18. Oktober 2026
Lüftungskonzept beim Fenstertausch: wann es Pflicht ist
Kurz gesagt
Neue Fenster schließen dicht. Damit fällt der Luftaustausch durch die alten Fugen weitgehend weg, und es muss mehr gelüftet werden [1]. Wird mehr als ein Drittel der Fenster getauscht, verlangt die Norm DIN 1946-6 ein Lüftungskonzept [2] [3]. Es prüft, ob die Lüftung zum Feuchteschutz auch ohne Zutun der Bewohner gesichert ist [1]. Für den BAFA-Zuschuss gehört es zu den Nachweisen [4]. Das Ergebnis kann sein, dass nichts nötig ist; sonst kommen etwa Lüfter im Fensterrahmen oder ein Abluftventilator infrage [2].
Warum neue Fenster das Lüften verändern
Durch alte, undichte Fenster findet auch ohne aktives Lüften ein gewisser Luftaustausch statt, der einen Teil der Feuchte aus der Wohnung trägt. Mit dicht schließenden Fenstern fällt dieser Luftwechsel weitgehend weg [1]. Kritisch wird es, wenn Wände und Fensterlaibungen nicht gleichzeitig gedämmt werden und kalt bleiben: Dort steigt die Feuchte an der Oberfläche, und für Schimmel genügen über längere Zeit 70 bis 80 % relative Feuchte an der Oberfläche [1]. Das Umweltbundesamt empfiehlt deshalb beim Einbau neuer dichter Fenster ein Lüftungskonzept [1].
Wann ein Lüftungskonzept nötig ist
| Situation | Lüftungskonzept |
|---|---|
| Neubau | nach DIN 1946-6 immer [2] |
| Mehr als ein Drittel der Fenster getauscht | nach DIN 1946-6 erforderlich, im Ein- und im Mehrfamilienhaus [2] [3] |
| Mehr als ein Drittel der Dachfläche abgedichtet | nach DIN 1946-6 erforderlich, im Einfamilienhaus [2] |
| Fenstertausch mit BAFA-Zuschuss | gehört zu den Nachweisen, bei jeder geförderten Maßnahme, die das Haus dichter macht [4] [6] |
Die Norm gilt in der Ausgabe DIN 1946-6:2019-12, auch für bestehende Gebäude, die lüftungstechnisch verändert werden [5]. Sie ist kein Gesetz. Fachplaner und Handwerker müssen Eigentümer aber zur Lüftung beraten [3].
Was das Konzept prüft
Das Lüftungskonzept vergleicht, wie viel Luft im Mittel der Heizperiode durch Undichtheiten der Gebäudehülle hereinkommt, mit der Luftmenge, die zum Feuchteschutz nötig ist. Reicht dieser Luftaustausch nicht, ist eine lüftungstechnische Maßnahme erforderlich [2]. Eine Rolle spielen unter anderem der Wärmeschutz, die Dichtheit des Hauses, die Windlage, die Zahl der Geschosse und innenliegende Bäder [2].
Die vier Lüftungsstufen der DIN 1946-6
| Stufe | wofür |
|---|---|
| Lüftung zum Feuchteschutz | schützt das Gebäude vor Feuchte, auch wenn die Bewohner zeitweise nicht da sind [2] |
| Reduzierte Lüftung | hygienische Mindestanforderungen und Feuchteschutz bei zeitweiliger Abwesenheit [2] |
| Nennlüftung | Normalbetrieb, wenn alle Bewohner da sind [2] |
| Intensivlüftung | zeitweise mehr Luft, um Lastspitzen abzubauen [2] |
Der Feuchteschutz muss nach DIN 1946-6 nutzerunabhängig gesichert sein, also auch dann, wenn niemand lüftet [1]. Zusätzlich kannst du jederzeit über das Fenster lüften, etwa zur Intensivlüftung [2].
Mögliche Lösungen
| Lösung | so funktioniert sie |
|---|---|
| Lüfter im Fensterrahmen | eine kleine Öffnung am Fenster, durch die Außenluft nachströmt, ohne Ventilator [2] [7] |
| Außenluftdurchlass in der Wand | eine Öffnung in der Fassade, auch geregelt nach der Raumluftfeuchte [2] |
| Abluftventilator in Bad oder Küche | zieht feuchte Luft ab, Außenluft strömt über Durchlässe nach; ohne Wärmerückgewinnung [2] |
| Lüftungsgerät mit Wärmerückgewinnung | dezentral in einzelnen Räumen oder zentral für die Wohnung, mit Zu- und Abluft und Wärmerückgewinnung [2] |
Welche Lösung passt, ergibt sich aus dem Konzept. Fensterlüfter und Außenwandluftdurchlässe zählen bei der BAFA-Förderung zur Maßnahme am Fenster [7].
Wer es erstellt und was es kostet
Ein Lüftungskonzept erstellen Fachleute: Fachplaner, Energieberater oder Handwerksbetriebe [3]. Bei einer geförderten Sanierung prüft der Energieeffizienz-Experte, ob lüftungstechnische Maßnahmen nötig sind, und informiert dich über das Ergebnis; sie umzusetzen veranlasst du als Bauherr [4]. Für Wohngebäude lässt sich das mit dem OnlineCheck Wohnungslüftung des VdZ feststellen, den die Förderstellen ausdrücklich nennen [6].
Einen belastbaren Durchschnittspreis für ein Lüftungskonzept haben wir nicht gefunden; er hängt von Haus und Anbieter ab. Bei einer BAFA-Förderung gehört das Lüftungskonzept zur Fachplanung und Baubegleitung [7]. Diese wird mit 50 % bezuschusst, bei Ein- und Zweifamilienhäusern mit förderfähigen Ausgaben bis 5.000 € [4].
Mit der App eeziframes misst du deine Fenster selbst. Dein Fensterbauer bekommt dazu eine Klärungsliste, auf der auch das Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 steht; so kommt das Thema vor dem Angebot auf den Tisch und nicht erst beim Einbau.
Häufige Fragen
Ist ein Lüftungskonzept beim Fenstertausch Pflicht?
Brauche ich nach dem Fenstertausch eine Lüftungsanlage?
Wer erstellt das Lüftungskonzept?
Was kostet ein Lüftungskonzept?
Reicht es, nach dem Fenstertausch regelmäßig zu lüften?
Weiterlesen
Quellen
- Umweltbundesamt: Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden, Stand April 2024 (PDF) (Kap. 3.2.1 und Hinweise zum Lüften)
- Sächsische Energieagentur: Wohnungslüftung, Grundlagen, Anforderungen und technische Lösungen, 3. Auflage, Januar 2019 (PDF)
- Energie-Fachberater: Wann braucht man ein Lüftungskonzept bei der Sanierung?, 01.08.2025
- Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Förderrichtlinie Bundesförderung für effiziente Gebäude, Einzelmaßnahmen (BEG EM) vom 17. Juli 2026, in Kraft seit 21. Juli 2026, mit technischen Mindestanforderungen (PDF)
- DIN Media: DIN 1946-6:2019-12, Raumlufttechnik, Teil 6: Lüftung von Wohnungen
- BAFA und KfW: Bundesförderung für effiziente Gebäude, Liste der technischen FAQ, Einzelmaßnahmen, Version 7.0, 06/2026 (PDF)
- KfW: Infoblatt zu den förderfähigen Maßnahmen und Leistungen, BEG, Version 11.0, 09/2026 (PDF)
Stand: 18. Oktober 2026 · Redaktion eeziframes. Keine Bau- oder Förderberatung; ob lüftungstechnische Maßnahmen nötig sind, klärt ein Fachplaner, Energieberater oder Fachbetrieb.